Wie schwarz kann schwarz sein?

07.01.2013

Tags: Submodalitäten, Wahrnehmung, Veränderungsarbeit, Ziel, Wahrnehmung, Ziel;

schwarz

Wie schwarz kann schwarz sein? Anfang November letzten Jahres konnte ich eine intensive Veränderungsarbeit begleiten, in der die Submodalitäten eine wichtige Rolle spielten. Als Submodalitäten bezeichnen wir im NLP die feinen Nuancen dessen, was wir mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen.


Es ging dabei um die Vorstellung einer zurück liegenden unangenehmen Erfahrung, die mein Coachee immer wieder vor Augen hatte. Dieses Bild schob sich in den ungünstigsten Momenten immer wieder vor seine inneren Augen. Mein Coachee wollte unbedingt das Bild für sich so verändern, dass es zwar noch da wäre, aber nicht mehr die Sicht auf aktuelle und wichtige Dinge versperren würde. Da er aber aus der Erfahrung, in der diese Erinnerung entstanden war, einiges gelernt hatte, wolle er es schon als „Notiz“ für sich behalten. Ein ganz klares Ziel.

Zu Beginn der Arbeit interessierte ich mich insbesondere für Einzelheiten der Erinnerung. Es stellte sich heraus, dass es ein inneres Bild war, das schwarz und ohne jede Bewegung war. An den Rändern war es leicht zerrupft, so wie ein hochwertiges handgeschöpftes Papier. Bei genauerer (innerer) Betrachtung fühlte mein Coachee sich wieder mitten in dieser Situation, fast wie in einem schwarzen Fass.

Ich bat ihn, noch einmal etwas genauer hinzusehen und mit etwas Geduld nahm er leichte Unterschiede im Schwarz wahr. Alle Einzelheiten konnte er allerdings nur rekonstruieren. Er berichtete mir, wer in der Situation dabei war, wo sich diese Begebenheit abgespielt hatte, konnte die Lautstärke der Umgebung und des Gesprächs schildern. Und das alles mitten in einem schwarzen Fass.

Der erste Schritt zur Veränderung war, dass ich meinen Coachee bat, sich aus dem Fass herauszudenken und die Szene gedanklich zu verlassen. Das Ergebnis war, dass er ein großes schwarzes Viereck direkt vor den Augen hatte, wie ein Bild, das auf ausgefranstem, handgeschöpftem Papier gemalt wurde. Dieses Papier bat ich mit einem Rahmen zu versehen, und es vielleicht gleichzeitig auch etwas kleiner zu machen. Das gelang ihm und es gefiel ihm auch besser. Ich konnte es ihm direkt ansehen.

Und mit einem Mal brauchte ich gar keine Anregungen mehr zu geben. Die leichten Schattierungen machte er etwas kontrastreicher: etwas mehr dunkelgrau, hellgrau. Er änderte die Position nach rechts außen an den unteren Rand und vergrößerte die Entfernung etwas, dass er es noch gut sehen konnte, es aber nicht mehr raumfüllend war.  

Die für ihn wichtige Einzelheiten waren erkennbar, aber die Geräusche und das Gespräch waren verstummt. Zum Abschluss bat ich ihn um eine kurze, echte Skizze auf Papier. Er schilderte, während er mit verschiedenen Stiften die Variationen von schwarz zu grau und hellgrau anlegte, wie angenehm es sich für ihn anfühlte und dass er genau damit sein Ziel erreicht hatte.  

Letzte Woche trafen wir uns wieder. Ein anderes Thema war dran, vom schwarzen Fass war nicht mehr die Rede.