SinnTage

23.12.2013

Tags: Coaching, Konflikt, Veränderung, Wahrnehmung, NLP-Format, Coaching, Konflikt, Veränderung, Wahrnehmung;

SinnTage2

Im letzten Posting ging es um die Bedürfnisse, Wünsche, Notwendigkeiten, die die meisten Menschen kurz vor den Feiertagen empfinden. In Coachingterminen kurz vor Weihnachten ist das dann oft ein Thema. Die Klienten fragen sich, wie sie eine für alle bessere Form finden können als bisher. Eine Form ohne Geschenkeschlachten zu schlagen, Konflikte um des lieben Friedens Willen zu unterdrücken, kilometerlange Touren von Stadt zu Stadt zu unternehmen.

Vielleicht macht es Mut, was ich Anfang des Jahres mit einem Klienten erarbeitet habe. Anfang Dezember 2012 kam er zum Coaching mit dem Ziel, besser auf sich und seine Bedürfnisse zu achten. Sowohl im Beruf als auch privat hatte er das Gefühl, dass alle an ihm herumzogen und er kaum noch Luft bekam. Am liebsten hätte er alles auf einmal anders gemacht. Den Job entweder gewechselt oder die Arbeitszeit reduziert, auch ein Sabbatjahr hatte er schon erwogen. Privat war ein Umzug geplant, er hatte Angebote von Fitness-Studios eingeholt und überlegte zu dem Zeitpunkt, ob er seine restlichen Urlaubstage über Weihnachten und Silvester in der Sonne verbringen sollte. Ohne die ganze Feierei und Schenkerei. Er hatte einfach genug von allem und allen.

Er hatte viel zu erzählen, mir schien es so, dass er in diesem geschützen Raum erst einmal Dampf ablassen konnte. Während ich ihm zuhörte, notierte ich einige Stichworte, die mir wesentlich erschienen. So hatten wir eine Grundlage als er bereit war, auf Lösungssuche zu gehen. Zunächst sortierten wir die Themen auseinander und er ergänzte noch das ein oder andere. Zum guten Schluss waren zwei Pinwände gut gefüllt. Die beruflichen Fragestellungen bekamen an der einen Pinwand Platz, die privaten Anliegen an der anderen. Über eine Skalenabfrage in Bezug auf wünschenswerte Verbesserungen wurde deutlich, dass viel gegen spontane Entscheidungen zu Veränderungen in beiden Bereichen sprach. Beruflich war zunächst einiges zu klären, aber das Unternehmen befand sich zu dem Zeitpunkt in einer Umorganisation und keiner wusste so genau, wohin die Reise gehen würde. Die Idee seinen Resturlaub in der Sonne zu verbringen, stellte er zurück. Es hatte Sorgen, dass seine Familie mit Unverständnis reagieren könnte. Immerhin trafen sich die Geschwister mit ihren Partnern und den fast erwachsenen Kindern schon seit Jahren am Heilig Abend bei ihm und genossen seine Kochkünste, die weihnachtlich geschmückten Räume. Geschenke gab es schon lange nur noch in Form von Gutscheinen oder Geld, denn alle hatten die Erfahrung gemacht, dass die Geschenke nicht so richtig ankamen. An den folgenden Tagen wurden dann Eltern, Onkel und Tanten und langjährige Freunde besucht. 

Da sein Bedürfnis nach Ruhe sehr groß war, unterstützte ich ihn zunächst dabei eine angemessene Zwischenlösung zu finden, die in der Kürze der Zeit (es waren nur noch 3 Wochen bis Heilig Abend!) umgesetzt werden konnte. Nach einigem Hin und Her entschied er sich, seine Schwester und einen Neffen zu bitten, sich an der Vorbereitung des Festessens zu beteiligen. Aus einem konkreten Ärger entwickelte er eine weitere Entlastung. Jedes Jahr ärgerte er sich über seinen Bruder, der gefragt oder ungefragt immer einen besseren Wein zum Essen empfohlen hätte und jedes Jahr schluckte er seinen Ärger herunter, um die Stimmung nicht zu verderben. Nun würde er den Bruder bitten, die Getränke für das gemeinsame Essen zu besorgen. 

Die wichtigste und schwierigste Entscheidung aber war, dass er ankündigen wollte, dass er im kommenden Jahr das gemeinsame Fest nicht mehr ausrichten würde. Alle sollten sich Gedanken machen, wie sie zukünftig den Heiligen Abend gestalten wollten. Zur Vorbereitung dieser Veränderungen vereinbarten wir kurz vor Weihnachten noch einen Termin, an dem wir mit dem NLP Format "Wahrnehmungspositionswechsel" das Gespräch durchspielten und er so weitere gute Ideen entwickelte. Wie dieses Format durchgeführt wird, haben wir früher schon einmal im Posting "Der andere und ich" beschrieben.

Jetzt, kurz vor Heilig Abend 2013, kann ich berichten, dass die Familie ein großes Ferienhaus gemietet hat und alle dort gemeinsam feiern wollen.  Geschenkeschlachten sind kein Thema mehr und das Festessen wird eine vielfältiges Buffet sein, zu dem jeder etwas beiträgt. Bis auf den Bruder, denn der kümmert sich seit 2012 um die Getränke. Der erste Feiertag ist für ein Treffen mit allen Freunden vorgesehen, die sich schon zahlreich angemeldet haben. Für alle eine gute Lösung.

Und was ist Eure bevorzugte Form die Weihnachtstage zu verbringen? Können wir daraus etwas übernehmen? Wir freuen uns auf Eure Berichte!